Markus 6,1-6

Herzensbotschaft

Teil 24

Jesus kommt zurück in seine Vaterstadt. Wie groß die Stadt ist, wird nicht überliefert. Jedoch hat sie eine eigene Synagoge. Als Jesus aus seiner Vaterstadt wegging war er allein. Nun kommt er mit den Gefolge seiner Jünger zurück. Das er nun von allen kritisch beäugt wurde, ist menschlich „normal“.

Er geht in die Synagoge. Sie ist der Ort, wo sich die Leute der Stadt am Ende der Arbeit zum Beginn des Sabbats versammeln. Natürlich ist es auch der Ort für die Begegnung mit Gott und so trifft sich alles dort.

In der Synagoge durfte jeder Mann in Absprache mit dem Synagogenvorsteher lehren. Jesus beginnt zu lehren und die leute, die ihn aus früheren Zeiten kennen sind erstaunt über das, was von ihm ausgeht. Es steht die Frage im Raum: „Woher hat der das?“

Woher hat „der“ das spricht von Distanz. Er der einmal zu uns gehörte und nun nicht mehr. Das kommt hier deutlich zum Ausdruck. Alle Anwesenden waren fromme Juden und nun sehen sie einen, der aus ihrer Mitte stammte und fragen sich, wie er in diese privilegierte Stellung kommt und Erstaunen macht sich breit. Es ist sicher nicht zu viel hineininterpretiert, wenn die Einschätzung entsteht, dass hier Neid und nicht Freude oder Anerkennung im Vordergrund steht.

Deshalb folgen auch Fragen wie in Vers 3: „ist er nicht der Sohn des Zimmermanns und der Maria und sind seine Brüder und Schwestern nicht hier? Übrigens ist dies für mich ein Beleg dafür, dass Jesus definitiv leibliche (Halb) Geschwister hatte.

Hier folgt nun auch der Ausdruck der Stimmungslage: Sie nahmen Anstoß. Es hat ihnen nicht gepasst, was und wie er war. Statt Anerkennung ärgern die Leute sich darüber, dass Jesus ihnen Entwachsen war.

Warum schreibt Mk diese Geschichte auf?
Im Markusevangelium steht immer noch eine Frage bis hierhin im Mittelpunkt:

WER IST JESUS

Eine weitere Antwort:

Die Zumutung des Glaubens

Es wird dem Leser des Evangeliums zugemutet an einen Zimmermann aus dem Dorf zu glauben, der von seinen eigenen Leuten abgelehnt wird. Die Bibel verschweigt das nicht – Gott verschweigt es nicht, wie nah Glaube an Unglauben liegen kann.

Mk 6,4          Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seiner Vaterstadt und bei seinen Verwandten und in seinem Haus!
Mk 6,5          Und er konnte dort kein Wunder tun, außer daß er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.
Mk 6,6          Und er verwunderte sich wegen ihres Unglaubens. Und er zog durch die Dörfer ringsumher und lehrte.

Bei dem von Jesus ausgesprochenen Statement handelte es sich um ein, in der damaligen Zeit, gebräuchliches Sprichwort. Jesus wird aus Neid verachtet, Gottes Erwählung wird aus Missgunst abgelehnt. Gottes Erwählung einen Menschen zu einem besonderen Dienst zu gebrauchen steht fest. Auch dann, wenn andere Menschen es ihm nicht gönnen oder dafür für untauglich halten.

Und auch hier spielt, wie in den vorangegangenen Schilderungen von der blutflüssigen Frau und der Tochter des Synagogenvorstehers der Glaube die zentrale Rolle. Die Erwartung der Jünger war wahrscheinlich, dass sich nach den Erlebnissen nun alles sehr positiv entwickeln würde. Im Stil „von Sieg zu Sieg“ und „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ und „von Glaube zu Glaube“. Nun müssen sie sehen, dass Ablehnung ihnen gegenübersteht.

Das Anliegen des Autors ist deutlich zu machen, wie dicht Glaube neben Unglaube stehen kann

Jesus Nachfolgen bedeutet nicht hier auf der Erde Herrlichkeit und Glück zu erleben – Auch, aber eben nicht nur, sondern auch Ablehnung von den Menschen, die uns vielleicht viel bedeuten.

Jesusnachfolge ohne Opfer ist nicht möglich.
Jesus ging mit dem Opfer voraus – er konnte sich aussuchen: Will ich diesen Menschen gefallen? – oder Gott? Jesus als ein Mensch, wie Du und ich und von den Leuten, mit denen er aufwuchs wurde er abgelehnt. Gott hatte seine Zeitpunkte mit Jesus. Das Umfeld Jesu hatte ihn nicht erkannt als jemand „besonderes“. Es erinnert sofort an das, was Johannes festhält:

Joh 1,11       Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Er konnte dort keine Wunder tun!

Konnte Jesus nicht? – Im Sinne von Einschränkung seiner Wirkungsfähigkeit?
Wenn ihm die Naturgewalten gehorchen (Stillung des Sturms) kann das irgendwie nicht sein, oder?

Im Blick darauf nicht von der Erwartung und dem Glauben der Menschen abhängig

Beschränkung aufgrund von Verachtung?

Mk 6,4          Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seiner Vaterstadt…Und er konnte dort kein Wunder tun, außer daß er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.

Das würde bedeuten, dass Jesus die Kraft für Wunder und Zeichen aus seiner Ehre von den Menschen bezog

Mt 13,58       Und er tat dort nicht viele Wunder um ihres Unglaubens willen.

Noch einmal in Bezug auf die Wunder vorher:

Wunder geschehen aus Glauben heraus – nicht umgekehrt – d.h. dass nicht Glauben aus den Wundern heraus wachsen soll und kann.

Hier der Vergleich zum Lukasevangelium

Lk 4,23         Und er sprach zu ihnen: Gewiß werdet ihr mir dieses Sprichwort sagen: Arzt, heile dich selbst! Die großen Taten, von denen wir gehört haben, daß sie in Kapernaum geschahen, tue sie auch hier in deiner Vaterstadt!
Lk 4,24         Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet ist anerkannt in seinem Vaterland.
Lk 4,25         In Wahrheit aber sage ich euch: Es waren viele Witwen in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate lang verschlossen war, da eine große Hungersnot entstand im ganzen Land;
Lk 4,26         und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt, sondern nur zu einer Witwe nach Zarpat bei Zidon.
Lk 4,27         Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa; aber keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naeman, der Syrer.
Lk 4,28         Da wurden alle in der Synagoge voll Zorn, als sie dies hörten.
Lk 4,29         Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen.
Lk 4,30         Er aber ging mitten durch sie hindurch und zog weiter.

Unglaube ist der Killer jeder Verheißung.
Zeichen um der Zeichen willen, ist bei Gott nicht zu haben.
Jesus tat Zeichen zur Ehre Gottes und zur Hilfe der Menschen zur Rettung.
Jesus hat niemals Sensationslust befriedigt.
Jesus macht klar: Es geschehen dort Wunder, wo man sich an Gott wendet und dort wo Gott hin sendet und sich erbarmt.

Mk 6,5          Und er konnte dort kein Wunder tun, außer daß er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.
Mk 6,6          Und er verwunderte sich wegen ihres Unglaubens. Und er zog durch die Dörfer ringsumher und lehrte.

Es waren wenige Kranke, die sich im Glauben an Jesus wendeten.
Jesus verwunderte sich, wegen ihres Unglaubens – Er verurteilt oder verflucht nicht – sondern wundert sich. Jesus der von Gott gesandte Sohn, als normaler Mensch, Zimmermann mit Schwestern und Brüdern unterscheidet sich durch die Salbung Gottes.

Herzensbotschaft:

Glaube bringt Segen, Unglaube verhindert Handlung
Glücklich der, der zu Jesus kommt und glaubt

Markus 5,21-43

Herzensbotschaft

Teil 23

Als Jesus von der gegenüberliegenden Seite wieder zurück kam, wurde er freudig erwartet. In Lk 8,40 wird gesagt. dass alle ihn erwarteten, im Gegensatz von dem vorangegangenen Erlebnis in Gerasa, wo die Bewohner Jesus gebeten hatten das Gebiet zu verlassen.

Hier wird uns nun geschildert, wie ein vornehmer Jude, der sicher ein hohes Ansehen hatte und der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon wusste, dass die Pharisäer darüber nachdachten, wie man Jesus loswerden könnte, sich vor Jesus hinzuwerfen.
Sein eiziges Kind liegt im sterben und das war Grund genug aller Würde zu entsagen.

Die Verzweiflung in ihm können wir sicherlich nur erahnen. Zumal der Verlust seines einzigen kindes mit Sicherheit nicht das einzige Problem gewesen ist. Im damaligen Kontext war das Sterben eines kindes gleichzeitig eine Strafe für die Eltern. Man kann allerdings davon ausgehen, dass es für diesen Mann gleichzeitig auch das Ende seines Standes und der geistlichen Karriere bedeutete, wenn sein Kind stirbt.
Manchmal macht erst die innere Not den Weg zu Jesus frei, wenn jemand nichts mehr zu verlieren hat.

Sein Glaube spricht aus ihm heraus: „Lege DU Hände auf sie, damit sie am Leben bleibt“.

Jesus geht mit ihm. In der Menge der Menschen sieht Jesus wieder den einzelnen Menschen in seiner Not. Und das obwohl um ihn herum sicher viele waren, die ein wichtiges Anliegen an ihn hatten. Bislang waren die Menschen Jesus gefolgt und nun geht Jesus mit Jairus in Richtung seines Hauses.

Jesus verschließt sich Verzweiflung und Not nicht, sondern geht mit

Auf dem Weg

Jairus wird mit Sicherheit erst einmal erleichtert gewesen sein, dass sich Jesus in die Richtung seines Kindes und in die Richtung seiner Not in Bewegung setzt.
Dennoch dürfte es sich nicht um einen schnellen Marsch gehandelt haben. Sie waren umzingelt von anderen Menschen.

In dieser Menge befindet sich eine Frau, die bis heute ein Beispiel für lebendigen Glauben liefert.
Zwölf Jahre litt sie unter dem Blutfluss. Auch hier ist es nicht nur so, dass diese Krankheit sie fertigmachte. Es ging mit diesem umstand auch eine gesellschaftliche Ächtung einher.
Kranke galten als von Gott bestraft. (Joh. 9,2-3)

Nach jüdischem Verständnis war sie „unrein“ und somit von Berührungen, Umarmungen usw. ausgeschlossen. Der Zugang zum Gottesdienst war ihr verwehrt. Nach allem was wir wissen, muss sie sich von Gott und Menschen verstoßen gefühlt haben.
Sie hat all‘ ihr Hab und Gut aufgewendet um von Menschen geheilt zu werden und NICHTS half.

Sie muss von Jesus gehört haben und ER war zu ihrer Hoffnung geworden. Hier können wir sehen wie war das Wort ist, dass Paulus in Rö10,17 sagt:

Röm 10,17   Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.

Sie hatte sich mit dem festen Vorsatz in Bewegung gesetzt, wenn ich nur sein Gewand berühren kann, werde ich gesund. Hier sehen wir echten Glauben, der sich im Tun offenbart

Die Frau berührt das Gewandt von Jesus und wird augenblicklich geheilt. Spürbar, offensichtlich und endgültig. Hier sehen wir, dass einem Wunder der Glaube vorausgeht. Oftmals kamen Menschen zu Jesus und wollten ein Wunder sehen, damit sie Grund zum Glauben haben. Dem ist Jesus niemals nachgekommen.

Die Reaktion von Jesus ist die Frage: WER HAT MICH ANGERÜHRT?

Es bleibt eine Gefahr in der Lesart. Der Rückschluss, dass es einen Automatismus zum „Anzapfen“ der Kraft Gottes gibt, wenn er nur mit genügend Glauben berührt wird, ist so nicht richtig. Solch eine Denkweise würde Gott zu einem „Erhörungsautomaten degradieren. Der Gedanke „Er wird heilen, wenn ich es „richtig“ mache“ ist falsch.

Glaube ist keine eigene Macht, die Gott Kraft entlockt, sondern sie ist Vertrauen in einen liebenden Vater im Himmel und an einen rettenden Herrn.

Jesus fragt danach, wer ihn angerührt hat, um die Unbegrenztheit Gottes, der den einzelnen Menschen immer noch auf Glauben hin, auch mitten im Gedränge begegnet und körperliche Heilung und Rettung schenkt.

Mk 5,33        Aber die Frau kam mit Furcht und Zittern, weil sie wußte, was an ihr geschehen war, und warf sich vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
Mk 5,34        Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich gerettet!(!!) Geh hin im Frieden und sei von deiner Plage gesund!

Übrigens glaube ich, dass die Anrede „Tochter“ keine seelsorgerliche Phrase, sondern Antwort auf den Glauben hin ist und ein Ausdruck dafür ist nicht nur geheilt, sondern auch gerettet zu sein!

Endlich angekommen

Währenddessen diese Geschichte seinen Lauf nimmt hätte ich an der Stelle von Jairus wahrscheinlich auf glühenden Kohlen gesessen bzw. gestanden.

Dann erreicht ihn die Schocknachricht: Deine Tochter ist tot.

Und sofort ist auch hier wiederum der Glaube das beherrschende Thema, denn Jesus fordert ihn auf:

Mk 5,36        …Fürchte dich nicht, glaube nur!

Was war es denn jetzt noch, dass er glauben sollte?

Der Glaube, den er bereits investiert hatte: Lege Hände auf sie und sie wird gesund werden.
Die Endgültigkeit des Todes vor Augen – Glaube für Heilung war vorher da und Jesus fordert nun dazu auf MEHR Glauben zu investieren und sich alleine auf den Glauben zu fokussieren.

Jesus hatte sich auf den Weg gemacht – Jesus hatte es nicht abgelehnt etwas zu tun
und auch jetzt wendet sich Jesus nicht ab.
Durch die Unterbrechung auf dem Weg hat Jesus seine Haltung und Meinung nicht geändert! Das bedeutet für uns ebenfalls so manches Mal: Dran bleiben im Glauben – auch wenn es schlimmer wird

Das Gleichnis des ungerechten Richters offenbart auch hier ein Stück des Charakters unseres Gottes:

Lk 18,2    und er sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute.
Lk 18,3    Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher!
Lk 18,4    Und er wollte lange nicht; danach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor keinem Menschen scheue,
Lk 18,5    so will ich dennoch, weil mir diese Witwe Mühe macht, ihr Recht schaffen, damit sie nicht unaufhörlich kommt und mich plagt.
Lk 18,6    Und der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt!

Im Hause des Jairus angekommen schmeißt Jesus alle raus, die nicht zum engsten Kreis gehören.
Er sagt sie schläft nur.
Diese Behauptung gab den Schutz in das Zimmer zu gehen, in dem das Mädchen lag. Im Raum einer Toten zu sein hätte für alle Beteiligten wiederum kulturelle „Unreinheit“ nach sich gezogen.

Darüber hinaus hatte Jesus kein Interesse an Show und Selbstdarstellung.
Er will nicht dass es sich herumspricht aus den bereits bekannten Gründen
Jesus als Mensch brauchte keine Bestätigung von außen und von der Menge gefeiert zu werden.

Mk 5,41   Und er ergriff die Hand des Kindes und sprach zu ihm: Talita kumi!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Mk 5,42   Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie gerieten außer sich vor Staunen.
Mk 5,43   Und er gebot ihnen ernstlich, daß es niemand erfahren dürfe, und befahl, man solle ihr zu essen geben.

Jesus hält kein Seminar über geistliche Kriegführung sondern als erstes kommt auch nach dem Wunder die praktische Not des Menschen in den Vordergrund: Gebt ihr zu essen.

Herzensbotschaft:

Glaube, der nicht loslässt bewirkt Wunder. Jesus ist ein Wundertäter, der sowohl die Not, als auch die Herzen der Beteiligten Personen sieht und sich nicht verschließt.
Und auch bei deinem Herz ist das so!