Markus 6,45-56

Herzensbotschaft

Teil 30

Jesus befiehlt seinen Jüngern in das Schiff zu steigen und vorauszufahren. Die Jünger werden nicht darüber informiert, wie Jesus zum Zielort kommen will. Es waren sicherlich noch genügend Menschen in der Umgebung, die bestimmt bereit waren etwas für Jesus zu tun. Daher bleibt diese Information im Dunkeln. Jesus entlässt das Volk und sucht die Einsamkeit.

Er geht auf einen Berg um Zeit mit dem Vater zu haben. Er geht um zu beten. Die Intimität und Nähe zu Gott ist immer wieder Dreh- und Angelpunkt im Leben von Jesus und darf uns zum Vorbild dienen. Er agiert aus der Nähe des vaters heraus und er sucht sie wieder nach getaner Arbeit um zur Ruhe zu kommen. Kein Ausweichen, keine andere Zerstreuung, keine abweichenden Manöver, unter der Überschrift „Ja, man muss doch auch mal…“. Jesus ist und bleibt Vorbild. Auch und gerade hier in diesem Lebenskonzept!

Gerade in Schlüsselsituationen sucht Jesus die Nähe des Vaters im Gebet:
– Die Anfechtung in der Wüste findet in und während Gebetszeiten statt
– Bevor Jesus die 12 Apostel beruft, verbringt er die ganze Nacht im Gebet
– Als er mit Mose und Elia auf dem Berg zusammentrifft und vor den Augen der Jüngern verklärt wird. – nicht zu vergessen, die Gebetszeit vor der Leidenszeit im Garten Gethsemane

Die Jünger sind auf dem See und Jesus sieht sie leiden

Sie hatten ihre liebe Not beim Rudern. Sie quälten sich. Hier geht es sicherlich um harte körperliche Anstrengung. Der Wind war ihnen entgegen. Um die Situation ein wenig zu verdeutlichen: Der See Genezareth ist ca. 21km lang und ca. 12 km breit. Das Jesus sie tatsächlich vom Ufer aus gesehen hat, ist also eher unwahrscheinlich. Dazu kommt, dass die Abenddämmerung sehr schnell hereinbricht. Es wird wirklich schnell dunkel. Somit ist bei den Worten, dass Jesus sie Not leiden sieht eher ein geistliches Sehen gemeint ist. Er wusste, dass sie sich quälten.

Nach den Schilderungen bei Mk und auch den Paralle-Evangelien ist nicht darauf zu schließen, dass es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelte aber angenehm war es mit Sicherheit nicht. Es waren widrige Umstände in denen niemand gern sein möchte.

Mk 6,48        Und er sah, daß sie beim Rudern Not litten; denn der Wind stand ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kommt er zu ihnen, auf dem See gehend; und er wollte bei ihnen vorübergehen.

Die Situation auf dem See

Nur die beiden Paralleltexte aus Mt und Joh geben das vollständige Bild:

Mt 14,23-34  und

Joh 6,18       Und der See ging hoch, da ein starker Wind wehte.
Joh 6,19       Als sie nun ungefähr 25 oder 30 Stadien gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und sich dem Schiff nähern; und sie fürchteten sich.
Joh 6,20       Er aber sprach zu ihnen: Ich bin’s, fürchtet euch nicht!
Joh 6,21       Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen, und sogleich war das Schiff am Land, wohin sie fahren wollten.

Bei den beiden o.g. Texten handelt es sich mit Sicherheit um dieselbe Situation und wir sehen hier, wie unterschiedlich eine Situation erlebt wurde und in Erinnerung geblieben ist.

Mitten auf dem See

Nach Joh waren sie 25-30 Stadien weit gerudert. Es handelt sich also um ca. 6 Km, wenn eine Einheit ca. 192 mtr. sind. Jesus kommt in der 4. Nachtwache also zwischen 3 und 6 Uhr morgens. Hier ist die Nacht am dunkelsten. Sie sehen Jesus auf dem See gehen.

Das dann Angst einsetzt, wenn ein Mensch auf dem See geht, wenn sie selbst Mühe haben mit dem Rudern voranzukommen ist, so denke ich, mehr als verständlich. Wenn das Übernatürliche so deutlich im Sichtbaren klar zu sehen ist, dann überfordert das den menschlichen Horizont.

Dann spricht Jesus zu ihnen. Seine Stimme gibt sofort Trost und Halt. So wie Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“ ist dies sofort als Wahrheit zu erkennen. Die Vertrautheit und Annahme seiner Stimme wirkt sofort beruhigend in jeder Situation, in denen wir als seine Jünger Stress leiden. Das ist bis heute so!

Hier bei Mk lesen wir, dass Jesus vorübergehen wollte. In meinen Augen kann er nicht wirklich diese Absicht gehabt haben, sondern er reagiert auf die Ansprache der Jünger. Dann folgt das Zwischenspiel mit Petrus:

Petrus sagt: „Herr, wenn du es bist, dann rufe mich zu Dir“
Ohne diesen Ruf von Jesus, auf dem Wasser zu laufen, werden die Naturgesetze jeden Versuch das zu tun sofort belehren, dass es sich nicht um menschliche Willkür handelt, wann und wo Naturgegesetze außer Kraft gesetzt werden.

Auf Jesus schauen und Glauben, dass er der Herr ist, auch über alle Naturgewalten und Umstände machen es möglich auf sein Wort hin, unmögliches zu tun. Bei so vielen Umständen, in denen natürliche Begrenzungen gegeben sind, bleibt die Unbegrenztheit Jesu über allem bestehen.

Bei Gott gelten keine Naturgesetze, denn er hat sie geschaffen.

Dann löst sich die Situation: Der Sturm legt sich – bei Joh befinden sie sich unmittelbar am Reiseziel, was in sich selbst ein Wunder ist.

Sie waren noch nicht verständig geworden, durch das Brot

Die Jünger hatten noch immer kein Aha – Erlebnis darüber, wer Jesus wirklich ist. Sie hatten noch nicht begriffen, dass Jesus auf einer anderen, übernatürlichen Ebene agiert. Sie waren gebunden an das Diesseits.

Herzensbotschaft:

Die Übernatürlichkeit im Wirken Jesu hatte bei den Jüngern noch nicht zur Schlussfolgerung geführt, dass die Macht Jesus jederzeit alle menschlichen Grenzen übersteigt. Wohl dem Menschen, der das verstanden hat.